Kelly sikkema f Zirmwar M0 E unsplash

Diskutieren

Wir machen für euch den Stammtisch-Check!

Energie-wie? Energie-was?

In unserem Stammtisch-Check nehmen wir einige der häufigsten Behauptungen rund um das Zukunftsthema Energie für dich unter die Lupe. Frohes Mitdiskutieren!

Kennst du das? Du sitzt in einer Runde mit alten Bekannten oder beim Familien-Geburtstagsessen. Früher oder später – meist aber zu fortgeschrittener Stunde – kommen sie dann auf: Die großen Themen unserer Zeit. Es wird einfach gerne wild diskutiert, ob über Verschwörungstheorien, Strohhalmverbote oder die Verspargelung der Landschaft. Der Ton wird lauter, die Gläser leerer und die Behauptungen abenteuerlicher. Du würdest gerne clever kontern, aber wie es eben so ist: Genau in diesem Moment fällt dir natürlich nicht ein, was du dem Ganzen entgegensetzen könntest. Wir kommen dir zu Hilfe!

Eines der liebsten Themen der Stammtische, Familienfeiern und Kommentarspalten dieser Welt ist die Energiewende. Und das ist gut so. Über unseren Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem kann gar nicht genug gesprochen, gestritten und philosophiert werden. Wir nehmen für dich die häufigsten Behauptungen unter die Zukunfts-Lupe. Frohes Mitdiskutieren!

“Energiewende? Das ist technisch überhaupt nicht machbar!“

Ganz im Gegenteil! Die Energiewende ist “aus technischer und systemischer Sicht machbar”. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studiedes Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Die Forscher*innen haben mittels Modellrechnungen untersucht, ob wir den CO2-Fußabdruck unserer Energieversorgung bis 2050 um 95% bis 100% reduzieren können. Das Ergebnis: ein klares Ja!

Es gibt aber noch einiges zu tun: Die Technologie ist schon da, der Umbau des Energiesystems fehlt noch. Das ist keine kleine Aufgabe, aber wir wissen bereits, welche Bausteine dafür nötig sein werden. Allen voran braucht es einen kompletten Umstieg von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Kohle auf erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne.

Um erneuerbare Energie bestmöglich nutzen zu können, werden wir in Zukunft fast überall auf Strombetrieb umstellen. Ein Heizungssystem beispielsweise, was gerade noch Erdgas verbrennt, wird in Zukunft entweder direkt mit Strom betrieben werden oder mit nachhaltigen Brennstoffen. Diese werden wiederum mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt.

Womit wir gleich beim nächsten Thema wären: Wird es in Zukunft jederzeit genügend Strom für all diese Anwendungen geben, auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?

Bitte einen Moment Geduld. Das Video wird geladen.
Bitte einen Moment Geduld. Das Bild wird geladen.

„100% Erneuerbare Energien sind viel zu unsicher für die Stromversorgung!“

Stimmt nicht! Auch wenn wir in Zukunft von Sonnenschein und Wind abhängig sein werden, wird die Stromversorgung sicher sein. Möglich wird das durch das Zwischenspeichern von Energie, z.B. in Batterien, in Wasserstoff oder anderen Energieträgern.

Das Energienetz der Zukunft wird außerdem viel flexibler sein als das heutige. Wo heute Großkraftwerke den Großteil von Strom und Wärme beisteuern, wird in Zukunft Energie aus vielen kleinen Anlagen in einem dezentralen Netzwerk verteilt werden. Außerdem wird Strom auch vermehrt über Landesgrenzen hinweg zu uns nach Deutschland importiert werden. Wenn du noch mehr zu Sonnen- und Windenergie erfahren möchtest, schau doch mal in diesem Beitrag vorbei.

Die technischen Voraussetzungen für die Energiewende sind da. Wie einfach sie umgesetzt werden können - auch das zeigen die Forscher*innen – hängt auch vom Verhalten der Gesellschaft ab. Ein bewusster Umgang mit Energie und Akzeptanz für große Umbaumaßnahmen (wie z.B. Windparks) wird die Energiewende erleichtern und sogar kostengünstiger machen.

Womit wir auch schon bei der nächsten Behauptung sind: Kommt uns die Energiewende teuer zu stehen?

“Die Energiewende ist eine ungeheure wirtschaftliche Belastung”

Es stimmt, die Energiewende ist wirklich nicht billig. Aber sie lohnt sich – auch finanziell! Um die Energiewende zu schaffen, sind viele Investitionen notwendig, z.B. in Forschung und Entwicklung, in den Bau von Wind- und Solaranlagen und in den Aufbau einer neuen Infrastruktur für Energietransport und -speicherung.

Die Forscher*innen der Fraunhofer-Gesellschaft schätzen, dass wir ca. 1 bis 2 % unseres jährlichen Bruttoinlandsprodukts investieren müssen. Das ist ungefähr die Hälfte des Geldes, das wir Deutschen derzeit für unsere Weihnachtseinkäufe ausgeben. Klingt nach einer guten Investition, oder?

Auch das Umweltbundesamtsagt ganz klar: Langfristig wird die Nutzung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen günstiger für die Wirtschaft sein als das Weiternutzen fossiler Energiequellen. Hinzu kommt: Wenn wir einrechnen, wie viel wir sparen, weil wir durch den Umstieg auf erneuerbare Energien Umweltschäden vermeiden, dann lohnt sich die Energiewende finanziell sogar heuteschon.

“Erneuerbarer Strom ist für Verbraucher*innen nicht bezahlbar”

Ganz im Gegenteil! Strom aus erneuerbaren Energien ist in der Herstellung schon heute günstiger als Strom aus fossilen Energieträgern. Dass sich das auf der Stromrechnung des*der Endverbraucher*in nicht bemerkbar macht, liegt daran, dass sich unser Strompreis aus drei verschiedenen Posten zusammensetzt.

Der erste Posten deiner Stromrechnung ist der Börsenstrompreis. Das ist der Preis, für den euer Energieversorger den Strom auf der Börse kauft. Der zweite Posten ist das Netzentgelt, also der Preis für die Nutzung des Energienetzes, wie z.B. Stromleitungen. Der dritte und letzte Posten ist eine Gebühr aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die kurz EEG-Umlage genannt wird.

Wie wird sich der Strompreis in Zukunft verändern? Der durchschnittliche Preis für Strom an der Börse sinkt seit vielen Jahren, da immer mehr günstiger Strom aus Wind- und Solaranlagen zur Verfügung steht. Die EEG-Umlage soll in den nächsten Jahren erstmals sinken, weil die finanzielle Förderung für die ersten, noch relativ teuren Erneuerbare Energie-Anlagen ausläuft. Wenn die Stromversorger diese günstigeren Preise in Zukunft an ihre Kund*innen weitergeben, wird sich bald auch der eigene Geldbeutel über immer mehr Strom aus Erneuerbaren Energiequellen freuen.

Autor*in

Dr. Kristin Werner

werner@futurium.de