Windrad

Denkraum Natur

Vorbehalte gegen grüne Energien

Erneuerbare Energiequellen boomen. Doch noch immer gibt es Gegenwind und Skepsis. Einige Mythen und längst überholte Gewissheiten halten sich hartnäckig. Wir gehen diesen Vorbehalten auf den Grund.

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Mythos 1: Keine Sonne, kein Wind? Dann geht doch das Licht aus!

Das denken viele. Richtig ist: In Zeiten digitaler Vernetzung und Steuerung besteht keine Gefahr, dass die Besitzer*innen von Solar- oder Photovoltaik-Anlagen plötzlich im Dunkeln sitzen, weil die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Immer genauere Wetterprognosen ermöglichen es, die Wind- oder Solarstromerzeugung verlässlich vorauszusehen und präzise zu planen. Was außerdem gegen den Stromausfall spricht: Viele kleine Anlagen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Energie zuverlässig fließt – weil Strom an unterschiedlichen Orten auf unterschiedliche Weise erzeugt wird.

Mythos 2: Erneuerbare Energien lassen die Strompreise auch in Zukunft steigen.

Nein! Nach einer Studie des Energiewende-Unternehmens Green City gehören erhöhte Preise bei alternativen Energien bald der Vergangenheit an.[1] Denn der Börsenstrompreis, der neben der Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage und den Netzentgelten den Strompreis bestimmt, sinkt kontinuierlich. Ursache ist die große Menge von günstigem Wind- und Solarstrom, die immer öfter für ein Überangebot sorgt. Spätestens ab 2020 soll es laut Studie keinen Preisunterschied mehr geben zwischen Energie aus konventionellen und aus natürlichen Quellen.

Mythos 3: Solarenergie? Lohnt sich nur in der Wüste.

Stimmt nicht. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) rechnet es vor: Die Dachfläche eines Einfamilienhauses ist in der Regel groß genug, um mit einer Photovoltaik-Anlage rein rechnerisch den Jahresstrombedarf einer Familie in Deutschland zu decken. Denn schon zehn Quadratmeter Solarkollektoren liefern in Mitteleuropa ein Fünftel des Wärmebedarfs eines durchschnittlichen Einfamilienhauses. Die dezentrale Versorgung lohnt sich in jedem Fall mehr, als Strom über Überseeleitungen und mit Übertragungsverlusten vom Wüsten-Solarkraftwerk zu beziehen.[2]

Mythos 4: Biomasse ist Mist – und macht die Energieversorgung nicht viel sauberer.

Doch. Weil Biomasse zum einen nicht nur Mist ist, sondern alle Arten von Pflanzen und tierische Reststoffe umfasst – von Küchenabfällen über Abwasser aus Kläranlagen bis zur Gülle vom Bauernhof. In Maßen sind wir bei der Energieerzeugung sogar auf Biomasse angewiesen. Zum Beispiel für die Stromerzeugung in Zeiten, in denen sich Wind und Sonne rar machen. Der Biomasseanbau – etwa von Mais oder Zuckerrüben – muss jedoch begrenzt werden. Er darf keine Flächen beanspruchen, die für die Nahrungsmittelproduktion benötigt werden.

Und was ist mit der Verspargelung unserer Landschaft durch Windräder? Können viele kleine Anlagen unser Stromnetz sichern? Die Antworten auf diese Fragen gibt Sozialwissenschaftler Weert Canzler in unserem Video-Interview.

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