
Hauptnutzpflanzen
sattmacher
Nur eine Handvoll von Pflanzen dominieren unsere Felder und unsere Ernährung. Aber nicht alle landen nur auf unserem Teller, manche auch im Futtertrog oder im Tank. Auch wenn in Zukunft die Vielfalt auf unseren Teller wieder wächst, werden sie weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Der Anbau ist heute zum Teil mit großen Herausforderungen verbunden. Wie werden wir sie in Zukunft lösen?
Foto: Patrick Pahlke auf Unsplash
Lernt hier einige der wichtigsten Hauptnutzpflanzen kennen:
🌽 Mais (Zea mays)
Da kommt er her
- Das Süßgras kommt ursprünglich aus Mittelamerika (Mexiko und Peru).
- Als Urform des heutigen Mais gilt das unscheinbare Wildgras „Teosinte“.
- In Mexiko bereits circa 5000 v. Ch. angebaut.
Da wächst er
- Auf etwa 200 Millionen Hektar weltweit (Stand: 2023).
- Größte Produzenten: USA, China, Brasilien.
- In Europa v. a. in Frankreich, Polen und Rumänien.
Darum ist er wichtig
- Bei der Nutzung von Mais gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern: In Industrieländern wird Mais vor allem als Nutztierfutter und zur Energieproduktion (z. B. für Biogas) verwendet. In Ländern mit geringem Einkommen im globalen Süden dient Mais überwiegend als Grundnahrungsmittel (z. B. für Maismehl).
Das ist besonders
- Mais ist eine sogenannte „C4-Pflanze“: sie bindet CO2 besser als andere Pflanzen (wie z. B. Weizen, Reis oder Soja) und ist sehr effizient bei der Photosynthese: in wärmere Regionen mit höherer Lichteinstrahlung liefert sie besonders hohe Erträge.
- Große genetische Vielfalt – Grundlage für Züchtung klimawiderstandsfähiger Sorten.
Das sind Herausforderungen
- Der Klimawandel führt zu Temperaturschwankungen und Wasserknappheit und erschwert so den Maisanbau: ohne Anpassungen wird ein Rückgang der Maisproduktion um 20 Prozent erwartet. Besonders betroffen sind die Vereinigten Staaten, China, Südamerika und Afrika südlich der Sahara.
das sind Lösungen
- Mit zielgerichteter Züchtung (Präzisionszucht oder smart breeding) ist es möglich neue Maissorten ohne Eingriff in das Erbgut zu entwickeln und die Diversität traditioneller Sorten zu erhalten.
- Zugleich arbeiten viele Unternehmen an gentechnisch verändertem Mais mit verbesserten Eigenschaften. Seit 2013 wird in den USA beispielsweise sogenannter DroughtGard-Mais angebaut, der bei Trockenheit mehr Ertrag bringt.
Trivia
- In vielen indigenen Gesellschaften, z. B. bei den Maya in Mexiko, gilt Mais als „heilig“ und hat eine wichtige kulturelle Bedeutung.
🌱 Soja (Glycine max)
Da kommt es her
- Die Hülsenfrucht kommt ursprünglich aus Ostasien (China und Japan).
- Wildformen der Sojabohnen wurden in China bereits gegen 7.000 v. Chr. geröstet.
Da wächst es
- Auf etwa 130 Millionen Hektar weltweit (Stand: 2023)
- acht Prozent der globalen Ackerfläche
- Größte Produzenten: Brasilien, USA, Argentinien.
- Der weltweite Sojaanbau hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.
- Europa importierte im Jahr 2023 rund 85 Prozent seines Bedarfs an Sojabohnen aus dem Ausland.
Darum ist es wichtig
- Die Sojabohne ist die wichtigste pflanzliche Eiweißquelle weltweit.
- Rund 80 Prozent der Sojaernte wird als Tierfutter (v.a. Schweine- und Geflügelmast) verwendet.
Das ist besonders
- Der Anbau von gentechnisch verändertem Soja ist in der EU nicht erlaubt, es darf aber importiert werden und findet vor allem in der Nutztierfütterung Verwendung. Auf rund drei Viertel der weltweiten Anbauflächen der Pflanze werden gentechnisch veränderte Sorten angebaut – vor allem in Nord- und Südamerika.
das sind Herausforderungen
- Die wachsende Nachfrage nach Soja führt dazu, dass weltweit immer mehr Wälder für den Sojaanbau abgeholzt werden. Nicht Tofu ist dabei das Problem, sondern der wachsende Fleischkonsum
- Der Sojaanbau erfolgt häufig auf Monokultur-Plantagen in Südamerika. Das begünstigt Bodendegradation, Biodiversitätsverlust und setzt Treibhausgase frei.
- Der hohe Pestizideinsatz beim industriellen Sojaanbau verschmutzt Wasser und Boden – und gefährdet die lokale Bevölkerung.
das sind Lösungen
- Wenn wir das proteinreiche Soja direkt essen würden anstatt es an Tiere zu verfüttern könnten wir unseren Eiweißbedarf nachhaltig decken – und könnten die für die Tierhaltung benötigten Flächen anderweitig nutzen.
Trivia
- In ihrem Ursprungsland China nennt man Sojabohnen das „Fleisch der Erde“.
- Bis zum Anfang des Zweiten Weltkriegs war China das Hauptanbaugebiet mit 87 Prozent der weltweiten Ernte.
🌾 Weizen (Triticum aestivum / durum)
Da kommt er her
- Die Wildformen des heutigen Weizen kommen aus Vorderasien (Irak, Iran, Syrien, Türkei, Libanon) und wurden bereits vor 8000 bis 10.000 Jahren gesammelt und angebaut.
- Unser heutiger Weizen ist eine reine Kulturart. Er entstand aus einer Kreuzung unterschiedlicher Wildgrasarten.
Da wächst er
- Auf etwa 220 Millionen Hektar weltweit (Stand: 2023)
- Größte Produzenten: China, EU (v.a. Frankreich und Deutschland), Indien und Russland.
- Es gibt verschiedene Weizenarten, die zu unterschiedlichen Zwecken angebaut werden. Man unterscheidet Weichweizen (für Backwaren wie Brot) und Hartweizen (für Teigwaren wie Nudeln).
Darum ist er wichtig
- Weizen zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit.
- Die Pflanze hat eine zentrale Rolle für die globale Ernährungssicherheit: allein Brotweizen deckt 20 Prozent des weltweiten Kalorienkonsums der Menschen.
Darum ist er besonders
- Das Genom des Weichweizens ist extrem groß und komplex: Mit mehr als 100.000 Genen ist es über fünfmal so groß wie das des Menschen.
Das sind Herausforderungen
- (Der industrielle Anbau von Weizen in Europa benötigt viel Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Das hat negativen Folgen für Grundwasser, Böden und Biodiversität.)
- Aggressive Schadpilz wie der „Schwarzrost“ breiten sich aufgrund steigender Temperaturen weltweit immer weiter aus – dies führt neben Ernteausfällen und steigenden Weltmarktpreisen auch zu einem höheren Pestizideinsatz.
das sind Lösungen
- Neue Ansätze wie "Speed Breeding" beschleunigen die Züchtung neuer Sorten, indem eine Weizengeneration dreimal so schnell heranwächst wie auf dem Feld.
- Eine nachhaltige Alternative zu einjährigen Weizensorten könnten mehrjährige Arten sein, da hierfür die Böden nicht jährlich gepflügt werden müssen und weniger Chemikalien benötigt werden.
Trivia
- Das Getreide war bereits im alten Ägypten ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Zu den Grabbeigaben von Pharao Tutanchamun gehörte neben Gold und Schmuck auch Fleisch, Obst, Brot und Weizen.
- Weizen braucht viele nährstoffreiche, schwere Böden mit einer hohen Wasserkapazität. Daher sind die fruchtbaren Schwarzerde-Böden in der Ukraine und Russland besonders gut zum Anbau geeignet.
🍚 Reis (Oryza sativa / glaberrima)
Da kommt er her
- Die weltweit bekannteste Reisart ist Oryza sativa und kommt aus Südostasien (China, Indien, Thailand). Sie wurde bereits vor 7000 Jahren angebaut.
- Die afrikanische Reisart Oryza glaberrima wird vor allem in Westafrika angebaut.
Da wächst er
- Auf etwa 165 Millionen Hektar weltweit.
- Größte Produzenten: China, Indien und Indonesien.
- 90 Prozent der weltweiten Reisproduktion wird in Asien angebaut – in den meisten Ländern noch von Hand auf den typischen Reisterrassen.
- Reis ist das Hauptnahrungsquelle für mehr als die Hälfte der Menschen auf der Welt und zentral für die Ernährungssicherheit in Asien und Afrika.
- Weltweit werden etwa 8.000 verschiedene Reissorten angepflanzt – durch Züchtung sind sie angepasst an ganz unterschiedliche Klimaverhältnisse und Bedingungen.
Das ist besonders
- Die typische Anbauart ist der Nassreisanbau in gefluteten Feldern. Es gibt aber auch Reissorten, die mit wenig Wasser auskommen: der so genannte Trockenreis.
- Die meisten Reispflanzen brauchen die Wärme und Feuchtigkeit des subtropischen Klimas. Es gibt aber auch einige Sorten aus Europa, wie z. B. Risottoreis
- Hoher Wasserverbrauch: der Nassreisanbau benötigt 3000-5000 Liter Wasser pro Kilo
Das sind Herausforderungen
- Der weltweite Reisanbau ist schlecht fürs Klima, denn die Felder sondern viel Methan ab. Nach Angaben der Max-Planck-Gesellschaft ist der Nassreisanbau für 10 bis 25 Prozent der weltweiten Methanemissionen verantwortlich.
Das sind Lösungen
- Alternative Anbaumethoden: Bei der Wasserspar-Bewässerungstechnik „Alternate wetting and drying“ (AWD) wird das Reisfeld nicht durchgehend geflutet, sondern abwechselnd befeuchtet und abwechselnd abgetrocknet – das spart Wasser und reduziert die Methanemissionen.
- Die Zugabe sogenannter Kabelbakterien beim Reisanbau konnte die Methanproduktion im Labor um mehr als 90 Prozent senkt. Feldtests stehen noch aus.
- Es wird an neuen Reissorten geforscht, die z. B. resistenter gegenüber Krankheiten und Klimabedingungen sind, mehr Nährstoffe enthalten oder weniger Methanemissionen verursachen.
- Gegen Nährstoffmangel: Die Anreicherung von Lebensmitteln mit Nährstoffen durch Pflanzenzucht nennt sich „Biofortifikation“. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der sogenannte „Goldene Reis“, der gentechnisch verändert wurde, um seinen Vitamin-A-Gehalt zu erhöhen. Er wurde in den Philippinen erstmals angebaut, aber auf Betreiben von Greenpeace nach einem Gerichtsurteil wieder gestoppt.
Trivia
-
In vielen asiatischen Sprachen sind die Worte für "Reis" und "Essen" identisch – ein Zeichen dafür, welche hohe Bedeutung diese Pflanze für die Ernährung auf dem asiatischen Kontinent hat.
- In Asien werden jährlich etwa 150 Kilogramm Reis pro Kopf verzehrt. In Amerika sind es elf und in Deutschland nur fünf Kilogramm.
