Blick auf die Erde aus dem All

Ein Blick auf den Pazifik aus dem Weltraum. Der Pazifik ist der größte Ozean der Welt und bedeckt fast ein Drittel der Erdoberfläche, was mehr ist als alle Kontinente zusammen. Foto: shutterstock.

Schatzkammer Meer

Die Meere bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche und bieten mit ihrer Tiefe 99 Prozent des für Pflanzen und Tiere bewohnbaren Raums auf unserem Planeten. Gesunde Meere regulieren das Klima und stellen uns wichtige Ressourcen bereit. Ohne sie kann die Menschheit zum Beispiel nicht ernährt werden. Auch indirekt kommen sie Millionen von Menschen als Erholungsraum zugute. Der Schutz der Meere ist also entscheidend für das Überleben an Land und gilt als Schlüssel zu einer gerechteren und nachhaltigen Zukunft gilt.

Blick auf die Erde aus dem All

Ein Blick auf den Pazifik aus dem Weltraum. Der Pazifik ist der größte Ozean der Welt und bedeckt fast ein Drittel der Erdoberfläche, was mehr ist als alle Kontinente zusammen. Foto: shutterstock.

Biologische Vielfalt

Biologische Vielfalt oder Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens auf drei Ebenen: die genetische Vielfalt innerhalb von Arten, die Vielfalt der Arten selbst sowie die Vielfalt der Ökosysteme. Sie ist die Grundlage für stabile und funktionierende Ökosysteme weltweit, die für saubere Luft und sauberes Wasser sorgen und vor Naturkatastrophen schützen können. Gerade im Meer birgt die biologische Vielfalt auch ein riesiges Potential für die Medizin: Bis heute sind 20 Arzneimittel in der klinischen Anwendung auf die genetische Vielfalt im Meer zurückzuführen . Im Jahr 2025 wurde eine genetische Eigenschaft des Grönlandwals entdeckt, die seine DNA seltener mutieren lässt und in Zukunft dazu beitragen könnte, die Entstehung von Krebs zu verhindern, wenn sich der Effekt in menschlichen Zellen nachahmen lässt.

All dies zeigt, wie wichtig die Vielfalt im Meer ist: Sie hält nicht nur Ökosysteme stabil und hilft uns, dem Klimawandel besser zu begegnen, sondern liefert auch Ideen und Lösungen für neue Technologien, Medikamente und andere Innovationen, von denen wir in Zukunft noch stark profitieren könnten.

Doch momentan steuern wir auf das sechste große, vom Menschen verursachte Massensterben zu. Besonders im Meer ist die Biodiversität stark gefährdet: Der Klimawandel zählt zu den größten Bedrohungen, während zusätzlich intensive Nutzung durch Fischerei und Tourismus, die Abholzung von Mangroven sowie Nährstoff- und Schadstoffeinträge zum Verschwinden von Arten und ganzen marinen Ökosystemen führen. Dies hat direkte Folgen für den Menschen, da der Rückgang der biologischen Vielfalt die Nahrungsgrundlagen schwächt, Nahrungsketten destabilisiert und wichtige Fischbestände verringert. Zudem verlieren Küstenökosysteme ihre Fähigkeit, Nährstoffe zu speichern und Wasser zu reinigen, was langfristig unsere Lebensqualität und Versorgungssicherheit beeinträchtigt.

Wiederbelebung Unterwasser

Trotz des alarmierenden Zustands der Meere gibt es Anlass zur Hoffnung. Weltweit setzen sich Menschen für den Erhalt und die Wiederherstellung mariner Ökosysteme ein, die eine zentrale Rolle für die biologische Vielfalt spielen. Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Tangwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde: Sie bieten Brut‑ und Nahrungsräume für Fische, Wirbellose und andere Meerestiere, schützen Küsten vor Erosion und speichern große Mengen Kohlenstoff. Mangroven dienen dabei als natürlicher Küstenschutz und als Aufzuchtgebiete für Fische, Seegras bindet Kohlenstoff und unterstützt Fischereien und Korallenriffe sind Biodiversitäts‑Hotspots.

Schlüssel Meeresschutzgebiete

Neben der Wiederherstellung geschädigter Lebensräume sind Meeresschutzgebiete eines der wirkungsvollsten Instrumente zum Schutz der biologischen Vielfalt der Meere. Sie geben Ökosystemen die Möglichkeit, sich selbst zu regenerieren, schaffen Rückzugsräume für bedrohte Arten und tragen dazu bei, dass sich Fischpopulationen erholen können. Richtig umgesetzt, zeigen Schutzmaßnahmen im Meer oft sogar größere Erfolge als an Land: Die positiven Effekte reichen über die Grenzen der Schutzgebiete hinaus und stärken angrenzende Ökosysteme und Fischereien. Dieser Effekt ist auch als Spillover bekannt, was so viel heißt wie „überlaufen“ oder „überschwappen“ . 

Dabei schließen sich Nutzung und Naturschutz nicht aus. Der Schutz der marinen Biodiversität ist eng mit sozialer Gerechtigkeit und langfristiger Ernährungssicherheit verbunden. Wissenschaftler:innen fordern daher, mindestens 30 Prozent des Ozeans bis 2030 unter wirksamen Schutz zu stellen – einschließlich stark genutzter Küstenregionen. Gleichzeitig bleibt eine nachhaltige, gemeinsam mit lokalen Akteuren geplante Nutzung der verbleibenden 70 Prozent möglich. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist also keine Einschränkung, sondern Grundlage für gesunde Meere und eine lebenswerte Zukunft.

Autor*in

Josephin Diether