
Foto: David von Becker
Drei Generationen entwerfen im Workshop den „Unterricht der Zukunft“
Zukunft macht Schule
Die digitale Welt ist längst im Klassenzimmer angekommen: Tablets liegen neben Schulheften, und KI-Tools sind nur einen Klick entfernt. Doch was bedeutet das für die Art, wie wir in Zukunft lernen? Wie Schule darauf antworten kann, erkunden eine 6. Klasse, Lehramtsstudierende und Lehrkräfte im Workshop „Unterricht der Zukunft“. Mit LEGO, KI und vielen offenen Fragen entwickeln sie gemeinsam Bilder davon, wie das Lernen morgen aussehen könnte, und überlegen, was sich schon heute verändern lässt.

Foto: David von Becker
Tafel, Kreide, Schulbuch – und eine Lehrperson, die vor der gesammelten Klasse referiert: Wenn wir an Unterricht denken, dann haben wir Bilder im Kopf, die sich über Jahrzehnte nicht verändert haben. Doch der Schulalltag der Gegenwart entwickelt sich mittlerweile in eine ganz andere Richtung: Es stehen Tablets auf den Tischen, digitale Lernplattformen ermöglichen den Austausch von Informationen und interaktives Lernen und die Rolle der Lehrkräfte verändert sich von der reinen Wissensvermittlung hin zur Lernbegleitung. Dazu kommen nun KI-Tools, die schreiben, rechnen und erklären. Diese sind nur einen Klick entfernt, ob die Schule sie einplant oder nicht. Damit stellen sich Fragen, die Kinder, Eltern und Lehrkräfte jeden Tag beschäftigen: Wozu Vokabeln lernen, wenn das Smartphone übersetzt? Wozu Aufsätze schreiben, wenn KI in Sekunden Texte liefert? Die digitale Welt ist längst Teil des Schulalltags geworden. Es geht deshalb nicht mehr nur darum, welche Technik in die Schule kommt, sondern darum, wie wir in einer digitalen Welt lernen wollen. Der Workshop bringt Menschen zusammen, die den „Unterricht der Zukunft“ erleben und gestalten möchten.
Unterschiedliche Generationen. Eine gemeinsame Frage.
Eine 6. Klasse, Lehramtsstudierende und Lehrkräfte: Im Workshop treffen drei Gruppen aufeinander, die Schule ganz unterschiedlich erleben. Die Kinder wachsen mit Apps, Videos und Sprachassistenten auf und bringen ihren Alltag mit ins Klassenzimmer. Die Studierenden bereiten sich auf einen Beruf vor, der sich gerade grundlegend wandelt. Und die Lehrkräfte wissen aus der Praxis, was im Schulalltag funktioniert und wo es hakt. In gemischten Gruppen wird zwei Nachmittage lang gebaut, gefragt, visualisiert und weitergedacht: mit Methoden aus dem Design Thinking, das von den Bedürfnissen der Beteiligten ausgeht, aus der Co-Creation, bei der alle gemeinsam gestalten, und aus dem Futures Thinking, bei dem mehrere mögliche Zukünfte in den Blick genommen werden. Finale Antworten gibt es dabei bewusst nicht. Stattdessen entsteht ein produktiver Austausch derer, die Schule erleben und gestalten.“

Bild: berlin-event-foto
Die Zukunft visualisieren und mit KI weiterdenken
Am Anfang steht nicht der Bildschirm, sondern eine haptische Erfahrung: Mit LEGO und anderen Bausteinen entstehen erste Modelle davon, wie Unterricht in Zukunft aussehen könnte. Spielerische Impulse und Perspektivwechsel helfen, die Ideen weiterzuentwickeln und sichtbar zu machen, wo sich Wünsche und Erwartungen gleichen und wo sie auseinandergehen. Im zweiten Schritt kommt KI ins Spiel, aber nicht als Antwortgeber. Aus den Modellen und Geschichten entstehen Zukunftsszenarien, die mithilfe von KI visualisiert, verändert und aus neuen Blickwinkeln betrachtet werden. Die Technik wird so zur kreativen Reflexionsfläche: Was überrascht an den Bildern? Wo unterscheiden sich die Vorstellungen? Welche neuen Fragen tauchen auf? Ganz nebenbei erleben die Teilnehmenden, was KI kann, wo ihre Grenzen liegen und wie man sie bewusst einsetzt.

Von der Zukunft zurück ins Heute
Zum Schluss drehen die Gruppen die Blickrichtung um. Welche Zukunft des Lernens wünschen wir uns eigentlich? Und was müsste passieren, damit sie möglich wird? Schritt für Schritt gehen sie von ihrem Zukunftsbild zurück in die Gegenwart und überlegen, welche Veränderungen nötig wären, welche Hindernisse im Weg stehen könnten und was sich schon heute anstoßen lässt.
Ideen, die Wirkung entfalten
Der Workshop will nicht festlegen, wie Unterricht der Zukunft auszusehen hat. Er schafft einen Raum, in dem Generationen gemeinsam Zukunft denken und aus ihren Erfahrungen neue Ideen entwickeln. Die entstandenen Modelle, Zukunftsbilder und Fragen können weitergetragen werden: in die Schule, in die Lehrkräftebildung und in neue Bildungsformate. Denn wie wir in Zukunft lernen werden, bestimmt nicht die Technik allein, sondern wir selbst, indem wir unsere digitale Welt gestalten.“