
Photo by The New York Public Library on Unsplash
Wie das Half Earth Project das Artensterben aufhalten will
Mit der halben Erde die ganze retten?
Die Welt hat zu kämpfen mit dem Artensterben. Auf der Weltartenschutzkonferenz im Dezember 2022 wollen Naturschutzorganisationen beschließen, dass die Weltgemeinschaft 30 Prozent der Land- und Seeflächen bis 2030 unter Schutz stellt und den Anteil bis 2050 weiter steigert. Aber reichen 30 Prozent aus? Nein, sagt die E.O. Wilson Biodiversity Foundation. Mit ihrem Projekt Half Earth wirbt sie dafür, die Hälfte der Land- und Meeresflächen des Planeten zu schützen.

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FAQ – die wichtigsten Fragen zum Projekt:
Was ist das Half-Earth-Project?
Der Begriff der Half Earth stammt vom Titel eines Buches: Half Earth – Our Planet’s Fight for Life stammt von E.O. Wilson. Der Biologe schlägt vor, die Hälfte der Erdoberfläche als menschenfreies Naturreservat auszuweisen, um die Artenvielfalt zu erhalten. Das Half-Earth-Project basiert auf dieser Idee.
Wer war E.O. Wilson überhaupt?
Edward Osborne Wilson wurde als "Ameisenforscher" bekannt. Der 2021 verstorbene Biologe die kleinen Krabbler erforscht. Berühmt wurde der Amerikaner aber auch mit seinen Thesen zur Sozialbiologie und der biologischen Vorbestimmung des Menschen – sie sorgten für heftige Debatten: Der Harvard-Professor gab 1975 mit seinem Werk Sozialbiologie dieser wissenschaftlichen Disziplin ihren Namen. Umstritten war dabei seine im letzten Kapitel aufgestellte These, das menschliche Verhalten sei weitgehend genetisch bestimmt. Kritiker warfen ihm unter anderem vor, er stärke soziale Ungerechtigkeit und die Diskriminierung von Frauen.
Warum die Hälfte?
Der entscheidende Faktor für das Leben und Sterben von Arten ist die Menge an geeignetem Lebensraum, die ihnen zur Verfügung steht. Je größer die Schutzgebiete werden, desto größer wird auch die Vielfalt des Lebens, das in ihnen überlebt. Werden Schutzgebiete verkleinert, nimmt die Vielfalt in ihnen in einem mathematisch vorhersehbaren Ausmaß rasch ab – oft sofort und für einen großen Teil für immer. Wenn wir dagegen die Hälfte der globalen Fläche schützen, liegt laut E.O. Wilson Biodiversity Foundation der Anteil der geschützten Arten bei 85 Prozent oder mehr.
Welche Hälfte?
Um genau zu bestimmen, welche Hälfte der Erde geschützt werden soll, setzt das Projekt fortschrittliche Technologien ein, die es ermöglichen, die geografischen Standorte und die Verteilung der Arten auf dem Planeten umfassend zu kartieren, so dass die Entscheidungsfindung auf der Grundlage dieser Daten erfolgt, die zeigen, wo die besten Chancen bestehen, die meisten Arten zu schützen. Im Rahmen des Projekts mehrere Standorte für den Schutz ermittelt, die meisten davon in Südamerika.
Wie praktikabel ist die Vision des Half Earth Projects?
Die Idee der Half Earth berücksichtigt nicht die Ursachen für den Verlust der Biodiversität. Entsprechend wirkt sich der fortschreitende Klimawandel weiterhin auf den gesamten Planeten aus. Wenn Gebiete für den Menschen schrumpfen, sind physische und wirtschaftliche Verdrängung die Folge. Soziale Konflikte entstehen. Und dann stellt sich noch die Frage nach der Schaffung und Kontrolle der Schutzgebiete. Wer übernimmt diese? Einiges bleibt ungeklärt und wirklich nachhaltig ist die Vision E.O. Wilsons nicht.
Die Half-Earth Map
Die Half-Earth Map auf der Website der Foundation visualisiert die globale Artenvielfalt auf lokaler Ebene. Wissenschaftler*innen, Designer*innen, Nutzerforscher*innen und Entwickler*innen schaffen gemeinsam ein Erlebnis, das auf Daten und wissenschaftlichen Methoden basiert. Beim Öffnen der Weltkarte können die Nutzer*innen aus einer Liste von Arten (z. B. Amphibien, Vögel, Kakteen, Nadelbäume, Säugetiere, Kolibris und Schildkröten) auswählen und auf einer Weltkarte sehen, wo diese Gruppen häufig und wo sie selten sind.