
Foto: Jan Winszus
Abschluss im Haus der Zukünfte
Das Mobile Futurium kommt zum Halt – doch die Ideen leben weiter
Die Konzentration ist groß, und das warme Wetter lässt die Gehirne heißlaufen: Wir sind bei der Abschlussveranstaltung des Mobilen Futuriums, das nun, zum Ende der dritten und vorerst letzten Tour, am Futurium in Berlin geparkt hat. Knapp 50 Schüler*innen der 7. bis 10. Klassen sowie 19 Lehrkräfte von Touren aus neun unterschiedlichen Bundesländern sind in die Hauptstadt gekommen, um gemeinsam zu feiern.

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Nach einer Rallye durch das Haus der Zukünfte haben die Schüler*innen nun noch einmal die Möglichkeit, an einem der Workshops teilzunehmen und danach ihre Ergebnisse zu präsentieren – von eindringlichen Postkarten aus der Zukunft über Nano-Roboter für lokalisierte Heilungsprozesse in der Medizin bis hin zu Radwegen über den Straßen und Verkehr unter den Straßen sind unterschiedlichste Ideen dabei.
Wie immer beim Futurium gilt, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, denn Zukunftsvisionen sind vielseitig. Die Schüler*innen wünschen sich mehr Zeit, um ihre Projekte weiterzuentwickeln. Neuntklässlerin Lena sagt: „Der Brief aus der Zukunft hat uns viel Spaß gemacht, war aber auch voll schwierig, denn wir haben große Themen wie Armut und Reichtum diskutiert.“ Mentorin Laura vom TüftelLab Berlin zeigt sich beeindruckt von den technischen Fähigkeiten der Schüler*innen, die wie selbstverständlich mit KI und Designtools wie Figma hantieren. „Außerdem haben sie in dem Alter schon großes Interesse an bestimmten Nischen.“

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Das Thema Medizin der Zukunft, übrigens auch das aktuelle Thema des Wissenschaftsjahres 2026, ist sehr beliebt, wie sich im Gallery Walk zeigt. Ein Projekt hat sich zum Beispiel mit der Verbesserung von Reanimationsprozessen bei Herzinfarkten beschäftigt. „Die ersten fünf Minuten sind am kritischsten“, weiß Konstantin von der Otto-Hahn-Schule in Hanau. Basierend auf einem Pilotprojekt aus Freiburg hat sich seine Gruppe überlegt, wie Drohnen künftig die nötigen Herz-Lungen-Maschinen schneller vor Ort bringen könnten. Schon in fünf Jahren ist es ihrer Meinung nach realistisch, Todesfälle zu reduzieren.
Andere Gruppen haben sich mit Nano-Robotern beschäftigt, die Organe per gezieltem 3D-Druck von Miniaturteilen reparieren, während auch Themen wie Stadtplanung und Verkehr, Ernährung, Energieversorgung und Anti-Rassismus ihren Platz finden. Die Lehrerfortbildung, die parallel zu den Workshops stattfindet, lädt auch die Erwachsenen zu Zukunftsprojekten ein. Andreas Schmitt von der BILA Sinzig erklärt die Idee einer Energie-Genossenschaft: „Es fällt leicht, die Zukunft pessimistisch zu sehen, aber wir haben überlegt, wie wir auch vor Ort die Dinge steuern können.“

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Viele schöne Impulse für den Unterricht sowie das Erlebnis, einmal intensiver einen bestimmten Bereich zu diskutieren, sind für die Lehrkräfte wichtige Motivationen des heutigen Tages. Auch die Schüler*innen geben das Feedback, dass sie die Beschäftigung mit Zukünften „erfrischend“ fanden: „Es war gut, mal aus dem Schulalltag rauszukommen und was ganz anderes zu machen“, so eine Achtklässlerin.
Das Mobile Futurium rollt nun erst einmal in sein Lager. Was bleibt, sind die Geschichten, Erfahrungen und Ideen – und natürlich die frei verfügbaren Lehrmaterialien, die auch künftig zum Nachdenken über die Zukunft anregen. Zudem gibt es am Futurium regelmäßige Workshops für Schulklassen, die die Hauptstadt besuchen.
Per Kneipenquiz durch die Projektwoche
Die Schüler*innen machen sich auf den Heimweg. Für uns ist dies der Moment, den erfolgreichen Abschluss des Projekts gemeinsam zu begehen, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und die vielen erreichten Meilensteine zu würdigen. „Man kann es gar nicht in wenige Worte fassen, denn obwohl das Mobile Futurium nicht groß ist, steckt sehr viel darin“, so Stefan Brandt, Direktor des Futuriums, in seiner Dankesrede für das Team. „Es bringt Zukünfte-Bildung in Schulen zu den Themen des Futuriums und zu verschiedenen Lebensbereichen. Bis zu 600 Schüler*innen pro Projektwoche denken dann anders und positiver über Zukünfte, das ist doch ein tolles Ergebnis.“ Die Zahlen unterstreichen dies: In den rund zwei Jahren der Tour hat das Mobile Futurium 71 Schulen erreicht, über 36.000 Schüler*innen und zwölf Bundesländer.
Mit einem Kneipenquiz erleben wir noch einmal eine Projektwoche, beginnend mit der Frage, nach welchen Persönlichkeiten in Deutschland die meisten Schulen benannt sind – denn schließlich war es für die Mentor*innen, die durch das ganze Land reisten, gar nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Wo Schüler*innen ihre Alltagsinformationen herbekommen, wie die Zustimmung der Eltern zu beliebten Berufen sind und welches 3D-gedruckte Objekt wohl welchen Zweck hat, sind weitere Fragen, die entlang der wählbaren Workshops aufgezogen sind.

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Stefanie Holzheu, Projektleiterin, erklärt ihre Arbeit während der Projektwochen: „Ich möchte sehen, was bei den Kids im Kopf passiert“. Gemeinsam mit ihrem Team besuchte sie mehrere teilnehmende Schulen, um zu erfahren, wie die Workshops die Zukunftsgestaltungskompetenzen (Futures Literacies) der Schüler*innen geprägt haben. „Unser Ziel ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, lebenswerte Zukünfte aktiv mitzugestalten.“ Die Abschlussveranstaltung zeigt, dass Ziele, wie Neugier, Zuversicht und Zukunftsmut zu wecken, definitiv erreicht worden sind.
Nach Einblicken in weitere Workshops, etwa Mobilibot, Ernährung der Zukunft und Make a Movie – alles in Form unterhaltsamer Quizfragen – blicken wir auch auf die wissenschaftliche Begleitung des Projektes.
Marius Albiez vom ITAS war an sechs verschiedenen Schulen in sechs Bundesländern zu dabei, um zu erforschen, wie sich Zukunftsdiskurse im ländlichen Raum entwickeln. Noch wertet er die Daten aus, verspricht aber baldige Ergebnisse. „Ich kann aber schon einmal teilen, dass die Schüler*innen durchweg ein gutes Verständnis dafür haben, dass sie diejenigen sind, die übermorgen handeln werden und am meisten von der Zukunft betroffen sind.“ Zu ihren Befürchtungen gehören neben dem Klimawandel auch die Überhandnahme von KI und künftige Kriege, aber komplementär dazu drücken sie Wünsche für Frieden und Sicherheit, besseren Klimaschutz und Verantwortungsübernahme vor Ort aus. „Die eine Zukunftsperspektive gibt es nicht, aber wir können jetzt schon sehen, dass es bundeslandübergreifend Verbindendes gibt: Nachbarschaft und Naturnähe als wichtige Werte. Ich finde, das ist doch schon mal ein guter Einstieg.“

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Zuletzt schreiben wir selbst eine Postkarte aus der Zukunft, inklusive Zeichnung. „Die Konzepte sollen weiterleben“, so Mentorin Elisa Wellner. Damit bringt sie die Hoffnung des Mobilen Futuriums bestens auf den Punkt.