Energiequellen

Wenn die Steckdose zum Zapfhahn wird

Städte versinken im Smog, fossile Treibstoffe werden knapper. In Zeiten der Energiewende wird Elektromobilität für viele zum Hoffnungsträger. Aber hält die Technologie, was sie verspricht?

Ob Pedelec, Elektroroller, E-Pkw oder Batteriebus: Künftig könnte Elektromobilität zum Alltag auf den Straßen werden. Über drei Millionen E-Fahrzeuge waren 2018 nach Angaben der International Energy Agency weltweit unterwegs.[1] Tendenz steigend. Laut der Forschungs- und Beratungsgruppe Wood MacKenzie wird es bis 2040 rund 280 Millionen Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb auf der Welt geben.[2] Wie klimafreundlich ist die neue Technologie wirklich? Und wie steht es um die Ressourcen bei der Produktion? Ein Faktencheck.

Sind E-Autos tatsächlich emissionsfrei unterwegs?

Ja – und nein! E-Autos fahren emissionsfrei, weil sie anders als Benziner oder Diesel kein klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen. Auch Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide, die bisher im Straßenverkehr für dicke Luft sorgen, fallen weg. Damit sind E-Fahrzeuge ideal, um die Luftqualität in Ballungsräumen zu verbessern.

E-Autos sind ideal, um die Luftqualität in Großstädten zu verbessern. Doch ganz ohne Emissionen kommen auch sie nicht aus, denn bei der Fertigung des Fahrzeugs entsteht CO2.

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Eine Untersuchung des Instituts für Energie- und Klimaforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag von Agora Verkehrswende zeigt jedoch: Trotz CO2-freier Fahrt entstehen durch E-Mobilität klimaschädliche Emissionen.[3] Denn noch rollen die meisten E-Pkw in Deutschland mit Strom, der aus Kohle und Erdgas gewonnen wird. Zudem wird bei der Fahrzeugproduktion und bei der Herstellung von Batterien viel Energie verbraucht und CO2 erzeugt. Die Folge: Die Öko-Bilanz des E-Autos fällt in der Produktion schlechter aus als bei einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Bis dieser Nachteil wettgemacht werde, so die ifeu-Forscher*innen, müsse das E-Fahrzeug einige Tausend Kilometer mit möglichst CO2-armem Strom unterwegs sein.

Dennoch gilt: Über den gesamten Lebensweg hat das Elektroauto bereits heute einen Klimavorteil gegenüber dem Verbrenner. Ein weiteres Fazit der ifeu-Studie: Verbessert sich künftig die CO2-Bilanz bei der Produktion, etwa bei der Batterieherstellung, und werden E-Fahrzeuge nur noch mit erneuerbaren Energien betrieben, sind E-Autos gegenüber konventionellen Verbrennern klar im Vorteil: Elektromobilität könnte zum Schlüssel der Energiewende im Verkehr werden.

E-Mobilität fördert die Energiewende. Stimmt das?

Ja! E-Autos, Pedelecs und Co. bieten in Zukunft beste Voraussetzungen, um erneuerbare Energien problemlos zu nutzen. Wie? Zum Beispiel so: Das Elektroauto bringt emissionsfrei und leise ans Ziel. Anschließend wird es in der Garage geparkt und an die Steckdose angestöpselt. Der Strom stammt aus der Solaranlage auf dem Hausdach. Ein intelligentes Stromnetz verknüpft alle Komponenten miteinander und sorgt so für eine reibungslose Energieversorgung.

Gibt es genug Ressourcen für den Ausbau der Elektromobilität? In dieser Frage sind sich Vertreter*innen von Wissenschaft und Wirtschaft aktuell noch uneinig.

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Ein weiteres Plus der E-Mobilität in Zeiten digitaler Vernetzung: Sie sorgt dafür, dass grüner Strom verlässlicher wird. Künftig wird es zum Beispiel möglich sein, das Auto als mobilen Stromspeicher zu nutzen (Vehicle-to-grid), der überschüssige Energie – etwa aus der eigenen Photovoltaik-Anlage – aufnimmt und bereitstellt, wenn die Sonne zum Beispiel einmal nicht scheint.

Gibt es genug Ressourcen für den Ausbau der E-Mobilität?

Im Prinzip ja. Laut einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Agora Verkehrswende gibt es genügend Ressourcen, um weltweit auf Elektroautos umzusteigen: Die wichtigsten Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Grafit und Nickel sind ausreichend vorhanden.[4] Zudem brauchen Akkus künftig immer weniger Lithium pro Kilowattstunde gespeicherter Energie.

Auch Recyclinglösungen für Lithium sind bereits möglich. Sie werden jedoch wegen der derzeit geringen Kosten des Rohstoffs noch nicht genutzt. Treibstoffe wie Wasserstoff, Bioethanol, Erd- oder Autogas bieten weitere Alternativen, um fossile Kraftstoffe auf lange Sicht abzulösen.

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