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Spieglein, Spieglein, an der Wand …

Style Transfer

Gene Kogans Cubist Mirror überrascht mit einem etwas anderen Spiegelbild: Wer hier in die Webcam schaut, erscheint auf der Leinwand als lebendiges Gemälde. Lächeln, Gähnen, Kopfschütteln – all das macht Kogans Spiegel in Echtzeit mit. Ein sogenannter „Stiltransfer“, der ohne Künstliche Intelligenz (KI) kaum möglich wäre. Wie das funktioniert? Kogans KI ermittelt wichtige Bildmerkmale und überträgt diese in den Stil von Picasso, van Gogh und Co. An zwei weiteren Stationen des Künstlers und Programmierers dürfen wir dann selbst testen, wie Künstliche Intelligenz uns beim Kreativsein unterstützen kann.

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Malen nach Zahlen

„Hier können Besucher zum Beispiel mit wenigen Strichen eine Landschaft skizzieren, die dann ein neuronales Netz in eine elegante Landschaftsmalerei übersetzt. Oder mit einfachen Blöcken einen Stadtplan bauen, der dann als täuschend echtes Satellitenbild ausgegeben wird“, erklärt Kogan. “Grundsätzlich hilft mir maschinelles Lernen, ein Bild in ein anderes zu ‚übersetzen‘.“

Hinter allen drei Stationen steckt das gleiche Prinzip: Neuronale Netze werden mit reichlich Daten gefüttert, um eine Information in eine andere zu übersetzen. Die Programme gehen diese Daten immer wieder durch, um Muster und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Salopp gesagt ist maschinelles Lernen die Kunst, einen Computer nützliche Dinge tun zu lassen, ohne ihn ausdrücklich dafür zu programmieren. Kogan ergänzt: „Nicht anders funktioniert Lernen auch bei uns Menschen.“


Wir bauen uns eine Stadt

Für sein kleines Städtebauexperiment lässt Kogan Besucher*innen aus kleinen bunten Plastikscheiben eine eigene Stadt zusammenpuzzeln. Die Plastikscheiben stehen für Straßen, Häuser, Parks und Wasser. Mit Ihnen kann in Sekundenschnelle ein neuer Fantasie-Stadtplan zusammensetzt werden. Eine Kamera filmt die Symbole ab und übersetzt sie in ein täuschend echtes Satellitenbild. Dafür hat Kogan vorher ein neuronales Netz mit Satellitenbildern aus Berlin ‚trainiert’. So spielerisch kann Stadtplanung sein!

Alles eine Frage des Trainings

Was so einfach wirkt, ist in Echtzeit allerdings eine erstaunliche (Rechen-)Leistung. Damit das Ergebnis wirklich sitzt, braucht das System einiges an Training. „Neben aktueller Open-Source-Software und großen Datensätzen benötigt man für so ein Projekt vor allem leistungsstarke Computer und eine Menge Rechenzeit.

Obwohl viele Maschinenlern-Techniken im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelt wurden, gab es die größten Sprünge in den letzten fünf Jahren. Besonders im sogenannten ‚Deep Learning‘ wurden große Fortschritte gemacht. Damit können jetzt auch Künstler ohne wissenschaftlichen Hintergrund relativ einfach kreativ werden. Ich nenne es gern ‚Augmented Creativity‘ (erweiterte Kreativität). Warum? Weil wir jetzt mit sehr einfachen Mitteln (ein paar Stiftstriche) sehr komplizierte Ergebnisse (echte Gemälde) erzielen.“

Schöne neue Welt

Der eigentliche Ansatz dahinter – Menschen, Objekte und Emotionen erkennen, verfremden und neu inszenieren – ist nicht nur künstlerisch interessant. Auch im Alltag wird er uns in Zukunft immer öfter begegnen. Zum Beispiel in der Medizintechnik, auf der Bühne oder beim autonomen Fahren. „Apps, die Selfies in ein Gemälde verwandeln, gibt es schon jetzt auf jedem Handy. Oder digitale Assistenten, die uns spontane Fragen beantworten. Dabei kommen unterschiedliche maschinelle Lernprozesse ins Spiel, um unsere Sprache zu analysieren, den Inhalt zu verstehen, die richtige Antwort zu finden und das Ganze schließlich so auszugeben, dass wir es auch verstehen.“

Trotz aller Faszination hat Kogan auch Bedenken, wenn er über die Verbreitung künstlicher Intelligenz in fast allen Lebensbereichen nachdenkt. „Ich glaube, dass die Zukunft ganz schön seltsam wird. Was passiert zum Beispiel, wenn wirklich jeder Mensch, jederzeit, täuschend echte Bilder von jeder Situation produzieren kann? Wie sollen wir dann – Stichwort Deep Fakes oder Fake News – echte von computererzeugten Inhalten unterscheiden? Unsere größte Herausforderung sehe ich darin, Künstliche Intelligenz so zu entwickeln und einzusetzen, dass sie sicher bleibt und der Menschheit dient.“